Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer
„Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer?“ – diese Frage, die Rudi Carrell einst besang, ist heute aktueller denn je. Während damals die Sehnsucht nach sonnigen Tagen und blauem Himmel im Vordergrund stand, wird das Thema Sommer heute oft von Besorgnis über Hitzeextreme und Klimawandel begleitet. In Deutschland hat sich die Durchschnittstemperatur seit 1881 um etwa 1,6°C erhöht. Dieser Temperaturanstieg ist stärker als der globale Durchschnitt, der bei etwa 1°C liegt. Die Zunahme hat sich in den letzten 50 Jahren beschleunigt. Die fünf wärmsten Jahre seit 1881 wurden alle nach 2000 verzeichnet, wobei 2024 als das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen gilt. Die zunehmende Hitze bringt erhebliche Gesundheitsrisiken mit sich, insbesondere für gefährdete Gruppen wie ältere Menschen, Kinder und Personen mit chronischen Erkrankungen. Das wahrscheinlich häufigste Problem bei extremer Hitze ist die Dehydration, der Flüssigkeitsmangel des Körpers. Bei älteren Menschen werden erste Symptome bereits bei einem Flüssigkeitsverlust von 1% beobachtet. Spätestens ein Verlust von 5% des Körperwassers führt zu einer schwerwiegenden klinischen Symptomatik. Ältere Menschen sind besonders betroffen, weil im Alter das Durstempfinden abnimmt und der erhöhte Flüssigkeitsbedarf durch Schwitzen nicht mehr ausgeglichen werden kann. Die Folgen der Dehydratation sind vielfältig. Der Körper versucht den Flüssigkeitsmangel auszugleichen, indem er die Urinausscheidung einschränkt. Damit kommt es zu erhöhter Harnkonzentration und auch zu einer verminderten Ausscheidung von harnpflichtigen Substanzen. Harninfektionen nehmen zu, es kommt zu Verstopfungen. Durch den verminderten Flüssigkeitshaushalt steigt der Anteil der festen Bestandteile im Blut (Hämatokrit), das „Blut wird dicker“, es kommt zu körperlicher Schwäche mit Antriebslosigkeit. Die Symptome können sich innerhalb von wenigen Stunden bis Tagen entwickeln. Bei akut auftretenden Verwirrtheitszuständen mit Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, des Denkens und des Gedächtnisses spricht man von einem Delir, das eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung darstellt. Hitze kann die Anfälligkeit für psychische Belastungen erheblich erhöhen. Ältere Menschen, die bereits unter Depressionen oder Angststörungen leiden, erleben häufig eine Verschlimmerung ihrer Symptome. Reizbarkeit, Unruhe und Konzentrationsprobleme nehmen zu. Die psychische Belastung wird durch Schlafstörungen oft noch verstärkt. Empfehlungen: - Im Schatten bleiben, ausreichend Wasser trinken und körperliche Anstrengung vermeiden. - Alkohol und Nikotin einschränken, da Alkohol die Urinausscheidung anregt und sich dadurch negativ auf den Flüssigkeitshaushalt auswirkt. - Der Flüssigkeitsbedarf im Alter beträgt etwa 2,5 Liter für Männer und 2 Liter für Frauen pro Tag, kann aber individuell variieren. Es gilt mittlerweile als erwiesenermaßen, dass Kaffeetrinken nicht schädlich ist. Dennoch: Freuen wir uns – gut gerüstet mit viel Flüssigkeit - auf den Sommer, die Wärme, den Geruch von Heu, den Geschmack von frischem Obst, auf Geselligkeit an lauen Abenden und das Bad im Mindelsee.